Das Snipping Tool ist seit Windows Vista fester Bestandteil des Systems und hat in Windows 11 die alte App "Ausschneiden und skizzieren" vollständig ersetzt. Es nimmt Ausschnitte des Bildschirms auf, zeichnet seit 2023 auch Videos auf und speichert alles ohne Zusatzsoftware. Wer regelmäßig Bildmaterial für Dokumentation, Support-Tickets oder Anleitungen braucht, kommt mit den Bordmitteln erstaunlich weit.
Kurzantwort: Windows + Umschalt + S drückt den Auslöser
Drücken Sie Windows + Umschalt + S. Der Bildschirm wird abgedunkelt, oben erscheint eine schmale Leiste mit vier Aufnahmemodi. Ziehen Sie mit gedrückter Maustaste ein Rechteck über den gewünschten Bereich, danach landet der Screenshot in der Zwischenablage und als Vorschau rechts unten. Ein Klick auf diese Anzeige öffnet das Bild im Editor zum Zuschneiden, Markieren und Speichern.
Wie öffne ich das Snipping Tool in Windows 11?
Es gibt vier Wege, und alle führen zur selben App:
- Tastenkombination Windows + Umschalt + S für die sofortige Aufnahme.
- Startmenü öffnen, "Snipping" tippen, Enter. Die Suche findet das Werkzeug auch unter dem deutschen Namen "Snipping Tool", weil Microsoft den Begriff nicht übersetzt hat.
- Startmenü, "Alle Apps", Kategorie S, Eintrag Snipping Tool.
- Windows + R, dann
snippingtool.exeeingeben. Dieser Befehl stammt noch aus Windows 7 und funktioniert weiterhin.
Praktisch: Rechtsklick auf das Symbol in der Taskleiste, dann "An Taskleiste anheften". So ist das Screenshot Tool mit einem Klick erreichbar, ohne jedes Mal die Suche zu bemühen.
Die Druck-Taste auf das Snipping Tool legen
Standardmäßig kopiert die Taste Druck (PrtScn) den gesamten Bildschirm in die Zwischenablage. In Windows 11 lässt sich das ändern: Einstellungen, Barrierefreiheit, Tastatur, Schalter "Verwenden Sie die Schaltfläche 'Druck', um die Bildschirmaufnahme zu öffnen". Danach startet die Taste direkt den Auswahlmodus. In Windows 10 liegt dieselbe Option unter Einstellungen, Erleichterte Bedienung, Tastatur.
Bildschirmausschnitt ausschneiden: die vier Modi im Detail
Nach dem Start zeigt die Leiste vier Symbole. Jedes erzeugt eine andere Art von Aufnahme:
- Rechteckiger Ausschnitt: Maustaste halten, Rahmen aufziehen, loslassen. Der häufigste Modus für Ausschnitte des Bildschirms.
- Freies Ausschneiden: Sie zeichnen eine beliebige Kontur. Der Bereich außerhalb wird weiß gefüllt.
- Fenster: Ein Klick auf ein beliebiges Fenster nimmt genau dieses Fenster samt Rahmen auf, ohne den Hintergrund.
- Vollbild: Der komplette Bildschirm, bei zwei Monitoren beide Anzeigen.
Die Verzögerung stellen Sie über das Uhrsymbol ein: 3, 5 oder 10 Sekunden. Das brauchen Sie, wenn Sie geöffnete Kontextmenüs oder Tooltips fotografieren wollen, die beim Klick ins Nichts verschwinden würden.
Nach der Aufnahme öffnet sich der Editor. Dort stehen Kugelschreiber, Textmarker, Radierer, Lineal, Zuschneiden und seit Version 11.2308 auch eine Textextraktion per OCR bereit. Mit dem Schwärzen-Werkzeug entfernen Sie Namen oder Kontodaten, bevor das Bild per E-Mail rausgeht. Speichern über Strg + S als PNG, JPG oder GIF. Der Standardordner ist "Bilder/Screenshots".
Bildschirmaufnahme als Video statt als Bild
Das Kamerasymbol oben links schaltet von Bild auf Video um. Sie ziehen einen Rahmen, klicken auf "Start", und das Tool zeichnet den markierten Bereich als MP4 auf. Mikrofon und Systemton lassen sich seit dem Update für Windows 11 zuschalten. Für kurze Videos bis wenige Minuten reicht das völlig, längere Aufnahmen des Bildschirms mit Webcam-Einblendung gehören eher in OBS Studio. Unter Windows 10 fehlt die Videofunktion, dort übernimmt die Xbox Game Bar mit Windows + G diese Aufgabe.
Snipping Tool in Windows 10, Windows 7 und Windows Vista
Die Unterschiede zwischen den Versionen sind größer, als der gleiche Name vermuten lässt. In Windows Vista und Windows 7 war das Werkzeug ein schlichtes Fenster mit vier Modi und einem Stift, mehr nicht. Windows 10 lieferte zwei Programme parallel aus: das klassische Snipping Tool und die modernere App "Ausschneiden und skizzieren". In Windows 11 sind beide zu einer App verschmolzen.
| Funktion | Windows 7 | Windows 10 | Windows 11 |
|---|---|---|---|
| Rechteck, Freihand, Fenster, Vollbild | ja | ja | ja |
| Verzögerte Aufnahme | nein | ja | ja |
| Windows + Umschalt + S | nein | ja | ja |
| Videoaufnahme | nein | nein | ja |
| Text aus Bild kopieren | nein | nein | ja |
Unter Windows 7 speichern Sie Aufnahmen direkt als HTML-Datei mit Markierungen, eine Eigenheit, die später verschwand. Offizielle Unterstützung für Windows 7 gibt es seit 2020 nicht mehr, sicherheitsrelevante Updates fehlen entsprechend.
Snipping Tool Plus als kostenlose Alternative
Snipping Tool Plus ist ein kleines Freeware-Programm eines Drittanbieters und trotz des ähnlichen Namens nicht mit Microsoft verwandt. Die Downloads liegen bei rund 500 KB, eine Installation entfällt: Sie entpacken die EXE und starten sie direkt, auch vom USB-Stick. Genau das ist der Grund, warum Snipping Tool Plus in Firmenumgebungen ohne Adminrechte beliebt ist.
Funktional deckt Snipping Tool Plus die klassischen Screenshot-Funktionen ab: rechteckiger und freier Ausschnitt, Fenster, Vollbild, dazu Pfeile, Rahmen, Text und ein Unschärfe-Effekt. Gespeichert wird als PNG, JPG, GIF oder BMP. Der Preis ist null, die Lizenz erlaubt auch den Einsatz auf mehreren Geräten. Beim Download sollten Sie darauf achten, die Datei von einer seriösen Quelle zu beziehen, denn unter diesem Namen kursieren Pakete mit Adware.
Schwächen von Snipping Tool Plus: Die Oberfläche ist nur teilweise auf Deutsch verfügbar, die Sprache lässt sich nicht umstellen, Videos nimmt das Programm nicht auf, und die Entwicklung ruht seit Jahren. Auf Windows 11 läuft es dennoch stabil. Wer mehr braucht, greift zu Greenshot oder ShareX, beide quelloffen und kostenlos.
| Tool | Preis | Installation nötig | Video | Deutsch |
|---|---|---|---|---|
| Snipping Tool (Microsoft) | im System enthalten | nein | ja (Windows 11) | ja |
| Snipping Tool Plus | kostenlos | nein, portabel | nein | teilweise |
| Greenshot | kostenlos (GPL) | ja | nein | ja |
| ShareX | kostenlos | ja | ja | ja |
Wie installiere ich das Snipping Tool nach?
In Windows 11 ist die App vorinstalliert. Fehlt sie, öffnen Sie den Microsoft Store, suchen nach "Snipping Tool" und klicken auf "Installieren". Der Store-Eintrag stammt von Microsoft Corporation, die Lizenz ist an Windows gebunden, es fallen keine Kosten an. Alternativ prüfen Sie unter Einstellungen, Apps, Optionale Features, ob das Snipping Tool als Feature deaktiviert wurde. Ein manueller Download einer EXE von Drittseiten ist nicht nötig und ein typisches Einfallstor für Schadsoftware.
Wenn die Tastenkombination nichts tut
- Nichts passiert beim Drücken: Prüfen Sie unter Einstellungen, System, Benachrichtigungen, ob die App zugelassen ist. Ohne Benachrichtigung fehlt die Vorschau, der Screenshot liegt aber trotzdem in der Zwischenablage.
- Screenshot bleibt schwarz: Betrifft Fenster mit Hardwarebeschleunigung. Im betroffenen Programm die Beschleunigung deaktivieren oder den Vollbildmodus nutzen.
- App startet nicht: Einstellungen, Apps, Installierte Apps, Snipping Tool, Erweiterte Optionen, "Reparieren" und danach "Zurücksetzen".
- Datum im Dateinamen falsch: Die App übernimmt Systemzeit und Region aus den Windows-Einstellungen.
Ein letzter Hinweis zum Datenschutz: Screenshots enthalten oft mehr Informationen als beabsichtigt, etwa Tabs, Dateinamen in der Taskleiste oder Kundennamen im Hintergrund. Schwärzen Sie solche Stellen im Editor, bevor Sie das Bild weitergeben. Bei Online-Diensten, die Aufnahmen auf fremde Server hochladen, gilt das doppelt.