DAB+ (Digital Audio Broadcasting +)

Radio hören kann man heute auf verschiedenste Art und Weise. Eine Möglichkeit ist der analoge Empfang über UKW. In der digitalen Welt wird Radio als Stream über das Internet gehört oder terrestrisch über DAB+.

Wofür steht DAB bzw. DAB+?

"DAB" ist eine englische Abkürzung und steht für "Digital Audio Broadcasting". In Europa wird darunter ein standardisiertes Verfahren zur Übertragung von digitalem Hörfunk verstanden. In Deutschland wird dieser digitale Radiostandard von den Herstellern der dafür notwendigen Empfangsgeräte auch als "Digitales Radio" vermarktet. 1 DAB+ ist die technische Weiterentwicklung des DAB-Standards. Der Wechsel auf DAB+ erfolgte 2011. 2 Mittlerweile wird digitales Radio in allen Bundesländern im Regelbetrieb über DAB+ ausgestrahlt. 3

Digitales Radio über DAB+ hat technisch gesehen, eine Menge Vorteile zu bieten. Generell gilt, dass die Qualität viel reiner als beim analogen Radio ist, da kein störendes Rauschen mehr zu hören ist, ähnlich wie bei CD und LP. Darüber hinaus bietet DAB+-Zusatzdienste, wie zum Beispiel:

  • elektronische Radioprogrammführer
  • Personalisierungen über spezielle Stationstasten für Lieblingsprogramme
  • textbasierte Nachrichtenticker, welche das umfangreiche Radiobouquet ergänzen

Verbreitung von DAB+ in Deutschland

Die DAB+-Netzabdeckung in Deutschland liegt nach Angaben der Landesmedienanstalten bei rund 98 Prozent der Fläche, dabei erreicht der Indoor-Empfang hierzulande fast 90 Prozent aller Haushalte. 4 Nach Angaben des Branchenverbandes gfu gibt es in Deutschland inzwischen 12 Mio. DAB+ Radiogeräte on Air. 5

Aber nicht nur bei der Netzabdeckung konnten in den letzten Jahrzehnten bedeutende Fortschritte erzielt werden, denn durch den sukzessiven Ausbau des DAB+-Netzes wird das digitale Radio auch von immer mehr Radiosendern für die Verbreitung genutzt. So gibt es mittlerweile über 250 Radiosender, die über DAB+ empfangbar sind. Dazu gehört v.a. das Angebot aus dem öffentlich-rechtlichen Radiospektrum, aber auch private Radiosender können digital-terrestrisch empfangen werden. Verbreitert wird die Programmvielfalt durch Radiosender, die sich zum Teil an eine spitze Zielgruppe wenden. Sie werden oft nur mehr über DAB+ ausgestrahlt.

DAB+ im Wettbewerb mit anderen Verbreitungswegen

UKW- und Internetradios sind die größten Konkurrenten von DAB+, wobei der Radioempfang über UKW der größte Konkurrent ist. Dies mag u.a. daran liegen, dass die Ultrakurzwelle die Radiohörerinnen und -hörer schon seit 1949 begleitet. Denn in diesem Jahr ging der erste UKW-Sender in Bayern on Air. 6 Die Dominanz der UKW-Radios spiegelt auch der Digitalisierungsbericht Audio 2018 der Landesmedienanstalten wieder. So ist für knapp 70 Prozent der Radionutzerinnen und -nutzer UKW die Hauptempfangsart. "Vorwiegend DAB+" nutzen hingegen erst sechs Prozent der Hörerinnen und Hörer. 7

Zwar nutzen laut dem Digitalisierungsbericht Audio 2018 der Landesmedienanstalten erst knapp 10 Prozent der Radiohörerinnen und Radiohörer in Deutschland das Internetradio überwiegend 8, aber trotzdem stellt dieser Verbreitungsweg, der auch als Web-Stream bezeichnet wird, eine ernstzunehmende Konkurrenz für DAB+ dar. Dies hat verschiedene Gründe:

  1. Öffentliche und private WLAN-Netze haben in Deutschland eine dichte Verbreitung.
  2. Beinahe alle Radiosender werden auch als Stream verbreitet.
  3. Die Qualität des Radio-Streaming hat sich stetig verbessert. So ist die Qualität der Internetradios durchaus mit jener von UKW oder HiFi vergleichbar.

Hinzukommt, dass über das Internet auch viele ausländische Radiosender empfangen werden können. Ein weiterer Punkt ist, dass das Internetradio auch mit dem Smartphone gehört werden kann. Spezielle Apps sowie Flatrates für das mobile Internet haben auch hier den Zugang erleichtert. 9

Wie kann sich nun DAB+ gegenüber der Konkurrenz auf dem Markt behaupten?

Der größte Vorteil von DAB+ gegenüber dem Internet, v.a. dem mobilen Internet, liegt darin, dass für den Empfang keine Internetverbindung gebraucht wird. Denn eine stabile Internetverbindung, die einen einwandfreien Radioempfang ermöglicht, ist in Deutschland derzeit nicht flächendeckend gegeben. Da zudem der Empfang von DAB+-Radios kostenlos ist, wird die Verbindung auch nicht gedrosselt, wie beim mobilen Internet, wenn das Datenvolumen verbraucht ist.

Kosten für die Radiohörer

Wie beim UKW-Radio fallen auch beim digitalen-terrestrischen Radio keine Kosten für die verschiedenen Programme an. Allerdings muss für den Empfang ein DAB+-taugliches Radiogerät angeschafft werden. Dieser prognostizierte Austausch der Empfangsgeräte hat auch über lange Zeit die Entwicklung des digitalen Radios behindert. Heute liegen die Kosten für ein DAB+-taugliches Radiogerät bei ungefähr 30 Euro. Zudem ist es heute Standard, dass die Geräte auch analoges Radio empfangen können. 10 So müssen Besitzer von digitalen Radios nicht auf Sender verzichten, die bislang nur über UKW ausgestrahlt werden.

Zukunft von DAB+

Ob DAB+, wie UKW, zum Standard beim Radioempfang entwickeln wird, kann aus heutiger Sicht nicht gesagt werden. Allerdings setzen bereits heute viele europäischen Staaten auf DAB+. Dazu gehören zum Beispiel Großbritannien, Italien, Norwegen, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, Österreich, sowie Tschechien und Belgien.

Schützenhilfe für DAB+ könnte auch vom Europäischen Parlament kommen, denn dieses hat 2018 beschlossen, dass neue Autos in Zukunft mit einem DAB+-Autoradio ausgestattet sein müssen. Ob diese EU-Regelung aber tatsächlich in Kraft treten wird, ist aus heutiger Sicht noch ungewiss. Experten schätzen den frühestens Zeitpunkt für die Einführung dieser EU-Regelung auf 2021. 11